WM 2026 Gruppen — Alle 12 Gruppen im Detail

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Zwölf Gruppen, 48 Mannschaften, und mittendrin: unsere Nati in Gruppe B und unsere Nachbarn aus Österreich in einer Todesgruppe mit dem amtierenden Weltmeister Argentinien. Die Gruppenauslosung hat Schicksale verteilt, Favoriten in angenehme Konstellationen gesetzt und einigen Teams Aufgaben zugeteilt, die an der Grenze des Machbaren liegen.
Als Wettanalyst ist die Gruppenphase für mich die spannendste Phase jedes Turniers. Nicht weil die Spiele die besten wären — das sind sie selten —, sondern weil hier die grössten Marktineffizienzen entstehen. Zwölf Gruppen mit je vier Teams bedeuten 144 mögliche Endstände in der Tabelle, und kein Quotenmodell der Welt kann alle Variablen korrekt abbilden. Motivationslagen, Reisestrapazen, Höhensituationen, Zeitverschiebung, die psychologische Wirkung eines Eröffnungstreffers oder einer frühen Roten Karte — all das fliesst in die reale Wahrscheinlichkeit ein, wird aber von den statistischen Modellen der Buchmacher nur unvollständig erfasst.
In diesem WM 2026 Gruppen-Überblick analysiere ich jede der zwölf Gruppen. Die Nati-Gruppe B und Österreichs Gruppe J erhalten die ausführlichste Behandlung — das sind die Konstellationen, die uns in Liechtenstein am meisten interessieren. Die übrigen zehn Gruppen folgen in kompakten Portraits mit einer Einschätzung des Favoriten und des stärksten Herausforderers, gefolgt von meiner Analyse der Todesgruppen, der leichtesten Aufgaben und einer detaillierten Prognose, wer die Gruppenphase übersteht und wer den Koffer packen muss.
Der neue Gruppenmodus — so funktioniert die Vorrunde
Wer sich an die WM 2022 mit ihren acht Vierergruppen erinnert, muss umdenken. Die WM 2026 bringt eine Struktur mit, die in ihrer Grosszügigkeit einmalig ist — und die den Charakter der Gruppenphase fundamental verändert.
Die 48 teilnehmenden Mannschaften werden in zwölf Gruppen zu je vier Teams aufgeteilt. Jede Mannschaft bestreitet drei Gruppenspiele — wie bei den bisherigen Weltmeisterschaften. Das Punktesystem bleibt identisch: drei Punkte für einen Sieg, ein Punkt für ein Unentschieden, null Punkte für eine Niederlage. Bei Punktgleichheit entscheidet zunächst die Tordifferenz, dann die erzielten Tore, dann der direkte Vergleich. Sollte auch danach Gleichstand herrschen, kommen Fair-Play-Wertung und als letztes Mittel das Los zum Einsatz — ein Szenario, das bei zwölf Gruppen und der Drittplatzierten-Regelung wahrscheinlicher ist als bei früheren Turnieren.
Der entscheidende Unterschied zum bisherigen Format liegt im Qualifikationsschlüssel für die K.o.-Runde. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe ziehen direkt in die Runde der 32 ein — das ergibt 24 qualifizierte Teams. Dazu kommen die acht besten Gruppendritten aus den zwölf Gruppen. Insgesamt qualifizieren sich also 32 von 48 Teams für die K.o.-Phase — das sind zwei Drittel aller Teilnehmer.
Diese Quote hat weitreichende Konsequenzen für die Gruppendynamik. Bei der WM 2022 mit 32 Teams und acht Gruppen qualifizierten sich 16 von 32 Teams — genau die Hälfte. Der Druck in der Gruppenphase war enorm: Zwei Niederlagen bedeuteten fast sicher das Aus. Bei der WM 2026 kann ein Team theoretisch mit nur einem Punkt — einem einzigen Unentschieden — unter den besten Dritten landen und weiterkommen. Das verändert die taktische Kalkulation grundlegend: Trainer, deren Mannschaften in schwierigen Gruppen gelost wurden, können defensiver agieren, auf Unentschieden spielen und trotzdem mit einer realistischen Chance auf die K.o.-Runde rechnen.

Die Runde der 32 ist das neue Element im Turnierablauf. Sie folgt unmittelbar auf die Gruppenphase und umfasst 16 Spiele, in denen die qualifizierten Mannschaften in K.o.-Duellen aufeinandertreffen. Die Setzliste für diese Runde ergibt sich aus der Gruppenplatzierung: Gruppensieger treffen auf Gruppendritte oder Gruppenzweite aus anderen Gruppen. Die genaue Zuordnung wird durch ein vordefiniertes Bracket bestimmt, das die FIFA vor dem Turnier veröffentlichen wird.
Für die Wettanalyse der WM 2026 Gruppen ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Der Wert der Wette „Team X kommt weiter“ sinkt, weil die Wahrscheinlichkeit für die meisten Teams hoch ist. Interessanter werden Positionswetten — wer wird Gruppensieger, wer wird Zweiter — und Wetten auf den exakten Gruppenausgang. Dort liegt der analytische Mehrwert, weil die Buchmacher in diesen Nischenmärkten weniger präzise arbeiten als im Hauptmarkt.
Gruppe B — Die Nati-Gruppe mit Kanada und Katar
Es ist die Gruppe, auf die ganz Liechtenstein schaut. Die Nati trifft auf Gastgeber Kanada, den Play-off-Überraschungssieger Bosnien und Herzegowina und den ehemaligen WM-Gastgeber Katar. Auf dem Papier ist Gruppe B machbar — aber bei einer WM sind „machbare“ Gruppen oft die gefährlichsten, weil sie zu Nachlässigkeit verleiten.
Die Schweiz geht als etablierteste Turniermannschaft in diese Gruppe. Seit 2014 hat die Nati bei jedem grossen Turnier die Vorrunde überstanden, und diese Konstanz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer taktischen Disziplin, die im europäischen Fussball ihresgleichen sucht. Die Defensive um Manuel Akanji ist organisiert und schwer zu bespielen, das Mittelfeld um Granit Xhaka kontrolliert den Spielrhythmus, und in Dan Ndoye hat die Mannschaft endlich einen Offensivspieler, der individuelle Aktionen in Tore umwandeln kann. Die Quoten sehen die Nati als Zweiten hinter Kanada — eine Einschätzung, die ich teile, die aber keineswegs in Stein gemeisselt ist.
Kanada ist der Favorit auf den Gruppensieg, und der Heimvorteil ist der Hauptgrund dafür. Alphonso Davies als Linksverteidiger von Bayern München ist der prominenteste Spieler im Kader, aber Kanada hat auch in der Breite aufgerüstet: Jonathan David, Cyle Larin und Tajon Buchanan bilden eine Offensive, die bei der WM 2022 bereits angedeutet hat, wozu sie fähig ist — auch wenn die drei Gruppenspiele in Katar allesamt verloren gingen. Der Unterschied zu 2022: Kanada spielt zu Hause, vor eigenem Publikum, in Stadien, die sie kennen. Das BC Place in Vancouver, wo das Duell gegen die Nati stattfindet, wird eine Festung sein.
Bosnien und Herzegowina ist der unberechenbarste Gegner der Gruppe. Die Mannschaft hat sich über die europäischen Play-offs qualifiziert und dabei Italien im Penaltyschiessen eliminiert — eine Leistung, die man nicht unterschätzen darf. Der bosnische Fussball lebt von individueller Brillanz und einer Mentalität, die in Einzelspielen über sich hinauswächst. Edin Dzeko, falls er noch im Kader steht, bringt die Erfahrung von über hundert Länderspielen mit. Die Schwäche: In Gruppenphasen fehlt Bosnien oft die Konstanz über drei Spiele hinweg. Die ausführliche Gruppenanalyse mit allen Spielterminen findet sich auf einer eigenen Seite.
Katar ist der klarste Aussenseiter der Gruppe. Bei der Heim-WM 2022 hat die Mannschaft alle drei Gruppenspiele verloren und dabei kein einziges Tor erzielt — die schlechteste Bilanz eines Gastgebers in der WM-Geschichte. Ohne den Heimvorteil und gegen drei Teams, die in der Qualität über Katar stehen, sind die Chancen auf ein Weiterkommen gering. Für Wettinteressierte ist Katar dennoch relevant: In Spielen gegen klare Aussenseiter tendieren die Quoten dazu, die Favoritenrolle zu übertreiben, was Value auf der Aussenseiterseite schaffen kann — etwa in einem Über/Unter-Markt, wo Katar defensiv kompakt spielen und ein niedriges Ergebnis erzwingen könnte.
Meine Prognose für Gruppe B: Kanada auf Platz eins, Schweiz auf Platz zwei, Bosnien auf Platz drei — mit der realistischen Chance, als einer der acht besten Dritten ebenfalls in die K.o.-Runde einzuziehen. Katar wird die Gruppe als Letzter abschliessen.
Der Spielplan der Gruppe B hat eine eigene Dynamik. Am ersten Spieltag treffen Katar und die Schweiz aufeinander, während Kanada gegen Bosnien spielt. Das ist der ideale Einstieg für die Nati — ein Spiel gegen den vermeintlich schwächsten Gruppengegner, bei dem drei Punkte Pflicht sind. Am zweiten Spieltag folgt das Duell Schweiz gegen Bosnien, das taktisch anspruchsvollste Spiel der Gruppenphase für die Nati. Und am dritten Spieltag steht Schweiz gegen Kanada auf dem Programm — ein Spiel, das möglicherweise über den Gruppensieg entscheidet, wenn beide Teams zu diesem Zeitpunkt bereits qualifiziert sind. Die Abfolge der Gegner spielt der Nati in die Hände: vom leichtesten zum schwersten, mit steigender Intensität.
Gruppe J — Österreich gegen Weltmeister Argentinien
Wenn es eine Todesgruppe bei dieser WM gibt, dann ist es Gruppe J. Argentinien als amtierender Weltmeister, Österreich als Europas aggressivste Pressing-Mannschaft, Algerien als afrikanischer Schwergewichtsvertreter und Jordanien als WM-Debütant mit Asien-Cup-Final-Erfahrung — das ist eine Konstellation, die keinen Gefallen kennt.
Argentinien ist der klare Gruppenfavorit, und die Frage ist nicht, ob die Albiceleste weiterkommt, sondern mit wie vielen Punkten. Die Mannschaft von Lionel Scaloni hat nach dem WM-Titel 2022 auch die Copa América 2024 gewonnen und damit eine Serie aufgebaut, die an die grosse argentinische Ära der 1980er Jahre erinnert. Julián Álvarez, Enzo Fernández und Alexis Mac Allister bilden ein Mittelfeld-Dreieck, das in der Kompaktheit und Spielintelligenz zu den besten der Welt gehört. Die Frage um Lionel Messis Teilnahme schwebt über dem Turnier wie eine Wolke — sein Fehlen würde Argentinien schwächen, aber nicht entscheidend.
Österreich hat unter Ralf Rangnick eine Identität gefunden, die perfekt in die WM-Dynamik passt. Hohes Pressing, schnelles Umschalten, physische Präsenz — das sind Qualitäten, die in der Hektik eines Turnierspiels Gold wert sind. Bei der EM 2024 hat Österreich in der Gruppenphase sowohl die Türkei als auch die Niederlande geschlagen und erst im Achtelfinale gegen die Türkei ausgeschieden — ein bitteres Ende, das die Mannschaft motivieren wird, bei der WM weiter zu kommen. Die detaillierte Gruppenanalyse zu Gruppe J beleuchtet jeden Gegner im Einzelnen.
Algerien ist ein Gegner, den man in Europa oft unterschätzt. Die Mannschaft hat den Afrika-Cup 2019 gewonnen und verfügt über eine Mischung aus Spielern, die in den grossen europäischen Ligen aktiv sind, und solchen, die in der algerischen oder französischen Liga spielen. Die physische Präsenz ist beeindruckend, und gegen europäische Teams hat Algerien bei den letzten Weltmeisterschaften respektable Ergebnisse erzielt — das 1:1 gegen England bei der WM 2010 ist ein Beispiel. Für Österreich wird das Spiel gegen Algerien zum Schlüsselmoment: Ein Sieg hier ist fast Pflicht, wenn man die wahrscheinliche Niederlage gegen Argentinien kompensieren will.
Jordanien komplettiert die Gruppe als Debütant. Das Erreichen des Asien-Cup-Finals 2024 — wo man erst gegen Katar unterlag — hat gezeigt, dass der jordanische Fussball auf einem aufsteigenden Ast ist. In der WM-Gruppe wird Jordanien der Aussenseiter sein, aber ein gefährlicher: Die Mannschaft ist taktisch diszipliniert, physisch robust und hat nichts zu verlieren. Wer gegen Jordanien mit einer lockeren Einstellung antritt, riskiert eine böse Überraschung.
Meine Prognose: Argentinien auf Platz eins mit sieben oder neun Punkten, Österreich auf Platz zwei mit vier bis sechs Punkten, Algerien auf Platz drei und Jordanien auf Platz vier. Österreich hat die Qualität, um aus dieser Todesgruppe als Zweiter hervorzugehen — aber es wird ein Kampf, der über 270 Spielminuten entschieden wird. Der Schlüssel liegt im ersten Spiel: Verliert Österreich gegen Argentinien mit nur einem Tor Unterschied und zeigt dabei eine starke Leistung, stärkt das die Mannschaft für die verbleibenden zwei Partien. Geht das Eröffnungsspiel deutlich verloren, entsteht ein Druckaufbau, der gegen Algerien und Jordanien zum psychologischen Handicap werden kann. Rangnicks Aufgabe wird es sein, die Mannschaft auf genau dieses Szenario vorzubereiten — und aus einem möglichen Rückschlag Energie statt Resignation zu ziehen.
Alle Gruppen A bis L auf einen Blick
Nach den ausführlichen Analysen der Nati-Gruppe und der Österreich-Gruppe folgt der Rundblick über das gesamte Turnier. Jede der verbleibenden zehn Gruppen hat ihre eigene Dynamik, ihre eigenen Favoriten und ihre eigenen Überraschungskandidaten.
Gruppe A: Mexiko, Südafrika, Südkorea, Tschechien
Mexiko eröffnet das Turnier am 11. Juni im Estadio Azteca gegen Südafrika — ein symbolischer Startschuss in einem Stadion, das zum dritten Mal WM-Spiele austrägt. Die Gastgeberrolle verleiht Mexiko einen psychologischen Vorteil, aber die Gruppe ist ausgeglichener, als sie auf den ersten Blick wirkt. Südkorea bringt die Erfahrung von sechs aufeinanderfolgenden WM-Teilnahmen mit, und in Son Heung-min hat die Mannschaft einen der bekanntesten Spieler Asiens. Tschechien hat sich über die Play-offs gegen Dänemark qualifiziert und ist eine taktisch reife Mannschaft, die Mexiko den Gruppensieg streitig machen kann. Südafrika kehrt erstmals seit der Heim-WM 2010 zurück und wird die emotionale Energie dieser Rückkehr in die Spiele mitnehmen. Mein Favorit auf den Gruppensieg: Mexiko, knapp vor Südkorea.
Gruppe C: Brasilien, Marokko, Haiti, Schottland
Das Topduell dieser Gruppe heisst Brasilien gegen Marokko — zwei Teams, die bei der WM 2022 tiefe Eindrücke hinterlassen haben, wenn auch mit unterschiedlichen Ergebnissen. Brasilien schied im Viertelfinale aus, Marokko erreichte sensationell das Halbfinale. Dieser Formvergleich zeigt, dass Marokko kein klassischer Aussenseiter mehr ist, sondern ein ernstzunehmender Konkurrent um den Gruppensieg. Haiti feiert die erste WM-Teilnahme seit 1974 — ein historischer Moment für den karibischen Inselstaat, der sportlich allerdings eine massive Aussenseiterrolle einnimmt. Schottland hofft auf eine bessere WM-Erfahrung als bei der EM 2024, wo die Mannschaft in der Gruppenphase ausschied. Das Duell Brasilien gegen Marokko könnte das beste Gruppenspiel des gesamten Turniers werden.
Gruppe D: USA, Paraguay, Australien, Türkei
Die Gastgebergruppe der USA bietet eine interessante Mischung. Die Türkei, die sich über die Play-offs qualifiziert hat, ist der gefährlichste Gegner für das US-Team. Arda Güler von Real Madrid gibt der türkischen Offensive eine individuelle Qualität, die in Einzelspielen den Unterschied machen kann. Australien und Paraguay bringen jeweils WM-Erfahrung mit, dürften aber gegen den Gastgeber und die Türkei die Aussenseiterrolle einnehmen. Der Heimvorteil der USA ist in dieser Gruppe der dominierende Faktor — ein Scheitern in der Vorrunde wäre für den amerikanischen Fussball eine Katastrophe, die den gesamten WM-Boom gefährden könnte.
Gruppe E: Deutschland, Küracao, Côte d’Ivoire, Ecuador
Deutschland als vierfacher Weltmeister trifft auf den WM-Debütanten Küracao — eine Begegnung, die den Charme und die Ungleichheit des neuen 48-Teams-Formats auf den Punkt bringt. Der Inselstaat mit 150 000 Einwohnern gegen eine der grössten Fussballnationen der Welt: sportlich eine klare Angelegenheit, emotional ein Moment, der Küracao für immer verändern wird. Côte d’Ivoire hat den Afrika-Cup 2024 gewonnen und ist der ernsthafteste Herausforderer Deutschlands in dieser Gruppe. Ecuador bringt südamerikanische Intensität mit und wird im Kampf um Platz zwei ein harter Gegner für die Ivorer sein. Deutschland sollte diese Gruppe souverän als Erster abschliessen.

Gruppe F: Niederlande, Japan, Schweden, Tunesien
Die ausgeglichenste Gruppe des Turniers. Die Niederlande gehen als Favorit hinein, aber Japan hat bei der WM 2022 Deutschland und Spanien in der Gruppenphase geschlagen und ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein Team auf Augenhöhe mit europäischen Topnationen. Schweden hat sich über die Play-offs gegen Polen qualifiziert und verfügt über eine physisch starke Mannschaft, die in der nordischen Tradition der taktischen Disziplin steht. Tunesien ist der Aussenseiter, hat aber bei der WM 2022 gegen Frankreich gewonnen und zeigt, dass auch ein einzelnes Spiel in einer WM-Gruppe alles verändern kann. In dieser Gruppe kann jeder jeden schlagen — eine Konstellation, die für Wettinteressierte hochspannend ist.
Gruppe G: Belgien, Ägypten, Iran, Neuseeland
Belgiens letzte Chance auf einen grossen Titel mit der Generation um Kevin De Bruyne. Die Roten Teufel sind seit 2018 bei jedem Turnier unter den Favoriten, haben aber nie den letzten Schritt gemacht. In Gruppe G sollte der Gruppensieg kein Problem sein — Ägypten mit Mohamed Salah ist der stärkste Herausforderer, aber die Qualität in der Breite reicht nicht an Belgien heran. Iran wird als unbequemer Gegner auftreten, defensiv kompakt und im Umschaltspiel gefährlich. Neuseeland als einziger Vertreter Ozeaniens wird die Gruppe als Vierter abschliessen, aber jedes Spiel als Erlebnis mitnehmen.
Gruppe H: Spanien, Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay
Das Duell Spanien gegen Uruguay ist das Highlight dieser Gruppe und eines der besten Gruppenspiele des gesamten Turniers. Spanien als Europameister 2024 gegen Uruguay, den zweifachen Weltmeister mit einer neuen Generation um Federico Valverde — das ist ein Aufeinandertreffen auf Viertelfinal-Niveau bereits in der Vorrunde. Kap Verde feiert seine WM-Premiere und wird die Sympathien des neutralen Publikums auf seiner Seite haben. Saudi-Arabien, das 2022 Argentinien in der Gruppenphase besiegte, ist auch 2026 für eine Überraschung gut.
Gruppe I: Frankreich, Senegal, Norwegen, Irak
Frankreich ist der klare Favorit, aber Norwegen mit Erling Haaland macht diese Gruppe unberechenbar. Der Manchester-City-Stürmer ist in der Lage, ein Spiel im Alleingang zu entscheiden, und wenn Norwegen gegen Frankreich einen guten Tag erwischt, ist eine Überraschung möglich. Senegal mit seiner technisch versierten Mannschaft ist ein realistischer Kandidat für Platz zwei. Der Irak kehrt nach 40 Jahren zurück und wird jeden Punkt als Triumph feiern.
Gruppe K: Portugal, DR Kongo, Usbekistan, Kolumbien
Portugal und Kolumbien sind die klaren Favoriten, und das direkte Duell wird über den Gruppensieg entscheiden. Die DR Kongo hat sich über die interkontinentalen Play-offs qualifiziert und ist eine physisch starke Mannschaft, die in Einzelspielen für Überraschungen sorgen kann. Usbekistan feiert seine WM-Premiere und bringt aus der asiatischen Qualifikation das Selbstvertrauen mehrerer souveräner Siege mit.
Gruppe L: England, Kroatien, Ghana, Panama
England gegen Kroatien — die Neuauflage des WM-Halbfinals 2018, diesmal in der Gruppenphase. Beide Teams haben die Qualität, die Gruppe zu gewinnen, und das direkte Duell wird eine der meistgesehenen Partien der Vorrunde sein. Für Kroatiens goldene Generation um Luka Modric ist es wahrscheinlich das letzte grosse Turnier — ein emotionaler Faktor, der nicht zu unterschätzen ist und der das Team in entscheidenden Momenten über seine nominelle Stärke hinaustragen kann. Ghana und Panama werden als Aussenseiter antreten, haben aber in der Vergangenheit bei Weltmeisterschaften gezeigt, dass sie für Überraschungen gut sind.
Todesgruppen und leichte Gruppen — unsere Einschätzung
Der Begriff „Todesgruppe“ wird bei jeder WM inflationär verwendet — aber bei der WM 2026 gibt es tatsächlich Konstellationen, die diesen dramatischen Namen verdienen, und solche, die einen freundlichen Weg in die K.o.-Runde ebnen.
Die härteste Gruppe des Turniers ist aus meiner Sicht Gruppe J. Argentinien als amtierender Weltmeister, Österreich als eine der formstärksten Mannschaften Europas, Algerien als Afrika-Cup-Sieger von 2019 und Jordanien als aufstrebende asiatische Kraft — hier gibt es kein schwaches Glied. Selbst Jordanien als Debütant hat das Niveau, um gegen Algerien oder Österreich Punkte zu holen. Für unsere Nachbarn aus Österreich bedeutet das: Jeder Fehler wird bestraft, jedes Spiel ist ein Endspiel.
Gruppe F mit den Niederlanden, Japan, Schweden und Tunesien ist die zweite Todesgruppe. Die Ausgeglichenheit ist hier das Problem — es gibt keinen klaren Favoriten und keinen klaren Aussenseiter. Japan hat bei der WM 2022 zwei europäische Schwergewichte in der Gruppenphase bezwungen, Schweden ist über die Play-offs gestählt, und Tunesien hat 2022 gegen Frankreich gewonnen. Die Niederlande müssen hier ihr ganzes Repertoire abrufen, um als Gruppensieger hervorzugehen.
Gruppe L mit England und Kroatien ist die dritte Konstellation, die als Todesgruppe gelten kann. Zwei WM-Halbfinalisten von 2018 in einer Gruppe — das ist ein Kaliber, das normalerweise erst in der K.o.-Runde aufeinandertrifft. Ghana und Panama sind zwar Aussenseiter, aber beide haben bei früheren Weltmeisterschaften gezeigt, dass sie in der Gruppenphase für Überraschungen sorgen können.
Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Gruppen, die einen vergleichsweise sanften Einstieg bieten. Gruppe E mit Deutschland, Küracao, Côte d’Ivoire und Ecuador ist für das DFB-Team eine günstige Auslosung — der Gruppensieg sollte planmässig verlaufen, und selbst ein Patzer gegen Côte d’Ivoire oder Ecuador wäre durch einen hohen Sieg gegen Küracao kompensierbar. Gruppe G mit Belgien, Ägypten, Iran und Neuseeland bietet ebenfalls ein klares Machtgefälle zugunsten des europäischen Favoriten. Und Gruppe A mit Mexiko als Gastgeber bietet dem heimischen Team optimale Bedingungen für einen souveränen Gruppensieg — das Eröffnungsspiel im Estadio Azteca vor über 80 000 Zuschauern wird eine Welle der Euphorie auslösen, die Mexiko durch die gesamte Gruppenphase tragen kann.
Für Wettinteressierte ergibt sich daraus eine klare Strategie: In den Todesgruppen entstehen die grössten Quotenverschiebungen und damit die besten Value-Chancen. Wenn Österreich gegen Algerien bei einer Quote von 1.80 geführt wird, die tatsächliche Siegwahrscheinlichkeit aber bei 60 Prozent liegt, dann ist das ein Ansatzpunkt. In den leichten Gruppen sind die Quoten dagegen so niedrig, dass sich Einzelwetten auf den Favoriten kaum lohnen — hier sind Handicap- und Über/Unter-Märkte interessanter.
Wer kommt weiter? Prognosen zum Gruppenausgang
Prognosen bei einer WM sind undankbar — ich habe das in neun Turnierjahren oft genug am eigenen Leib erfahren müssen. Aber eine fundierte Einschätzung, basierend auf Kaderstärke, Formkurve, taktischer Passung und Gruppendynamik, ist besser als keine Einschätzung. Hier ist mein vollständiger Überblick über die wahrscheinlichsten Gruppenausgänge der WM 2026.
In den Gruppen A, D, E und G sehe ich die gesetzten Favoriten als Gruppensieger: Mexiko, USA, Deutschland und Belgien werden ihre Gruppen voraussichtlich souverän anführen. Die Frage in diesen Gruppen ist weniger, wer Erster wird, sondern wer sich den zweiten direkten Qualifikationsplatz sichert. In Gruppe A wird Südkorea der stärkste Konkurrent Mexikos sein, in Gruppe D die Türkei, in Gruppe E Côte d’Ivoire und in Gruppe G Ägypten.
Die Gruppen B, C, H, I und K bieten ein klareres Bild: In Gruppe B erwarte ich Kanada und die Schweiz als die beiden Erstplatzierten. In Gruppe C sollten Brasilien und Marokko die K.o.-Runde erreichen. Gruppe H wird von Spanien und Uruguay dominiert, Gruppe I von Frankreich und Senegal, und in Gruppe K setze ich auf Portugal und Kolumbien. In all diesen Gruppen gibt es einen klaren Favoriten und einen starken Zweiten, während die Plätze drei und vier deutlich abfallen.
Die spannendsten Konstellationen bieten die Gruppen F, J und L. In Gruppe F mit den Niederlanden, Japan und Schweden ist der Ausgang am schwierigsten vorherzusagen — ich tendiere zu den Niederlanden und Japan, aber Schweden hat die Qualität, jeden der beiden zu verdrängen. In Gruppe J sehe ich Argentinien und Österreich als die beiden Erstplatzierten, wobei Algerien als starker Dritter ebenfalls in die K.o.-Runde einziehen könnte. In Gruppe L erwarte ich England vor Kroatien — aber das direkte Duell wird den Ausschlag geben, und Kroatien hat bei Weltmeisterschaften die Angewohnheit, über sich hinauszuwachsen.
Für die acht Plätze der besten Gruppendritten sind aus meiner Sicht folgende Teams die heissesten Kandidaten: Algerien aus Gruppe J, Schweden aus Gruppe F, Tschechien aus Gruppe A, Schottland aus Gruppe C, Australien aus Gruppe D, Ecuador aus Gruppe E, Iran aus Gruppe G und Panama oder Ghana aus Gruppe L. Die exakte Zusammensetzung hängt von Tordifferenzen und direkten Vergleichen ab — Variablen, die sich vor dem Turnierbeginn nicht zuverlässig vorhersagen lassen.
Was bedeutet das für Wettstrategien? In den klaren Gruppen lohnen sich Positionswetten auf den Gruppensieg des Favoriten, weil die Quoten dort moderat und die Wahrscheinlichkeit hoch ist. In den ausgeglichenen Gruppen bieten Wetten auf den exakten Gruppenausgang — etwa „Niederlande Erster, Japan Zweiter“ — attraktive Quoten mit einer realen Gewinnchance. Und in den Todesgruppen empfehle ich, die Einzelspiele abzuwarten und auf Live-Quoten zu setzen, weil die Dynamik dieser Gruppen erst während des Turniers sichtbar wird.
Eines ist bei dieser WM sicher: Mit 32 von 48 Teams in der K.o.-Runde werden einige Mannschaften weiterkommen, die bei früheren Turnieren ausgeschieden wären. Das neue Format belohnt Konstanz und bestraft nur die schwächsten Teams. Für die Nati, die seit einem Jahrzehnt die Gruppenphase jedes grossen Turniers überstanden hat, ist dieses Format wie gemacht — die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweiz die K.o.-Runde verpasst, liegt bei unter 10 Prozent. Für Österreich in der Todesgruppe J ist die Berechnung schwieriger, aber selbst dort sehe ich eine Wahrscheinlichkeit von über 65 Prozent für den Einzug in die Runde der 32.
Zwölf Gruppen, zwölf Geschichten
Die WM 2026 Gruppen bieten eine Vielfalt, die es bei keinem bisherigen Turnier gegeben hat. Von der Nati-Gruppe B, die auf dem Papier machbar aussieht, über Österreichs Todesgruppe J bis zu den ausgeglichenen Konstellationen in den Gruppen F und L — die Vorrunde wird vom 11. bis 28. Juni ein Feuerwerk an sportlicher Spannung, dramatischen Überraschungen und taktischen Schachzügen liefern. Allein die Tatsache, dass erstmals zwölf statt acht Gruppen parallel laufen, sorgt für eine Informationsdichte, die es bei keinem früheren Turnier gegeben hat — und die für analytisch orientierte Beobachter ein Paradies an Wettmöglichkeiten schafft.
Für Fans in Liechtenstein stehen zwei Gruppen im Mittelpunkt: Gruppe B mit der Nati und Gruppe J mit Österreich. Beide Teams haben realistische Chancen auf die K.o.-Runde, und die Spiele werden in der mitteleuropäischen Primetime um 21:00 Uhr CEST übertragen. Der komplette Spielplan mit allen Zeiten hilft bei der Planung der kommenden sechs WM-Wochen. Die Gruppenphase ist der Prolog — aber wie bei jedem guten Prolog entscheidet sich hier, welche Geschichte das Turnier erzählen wird. Und in diesem Prolog spielen unsere Nati und Österreich die Hauptrollen, die uns in Liechtenstein am meisten bewegen.