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Alle 48 WM 2026 Teams — Analysen & Rankings

Collage der Nationalmannschaften bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika

Alle 48 Teams der WM 2026 — Analyse und Prognosen

Collage der Nationalmannschaften bei der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika


Ladevorgang...

48 Nationalmannschaften aus allen Kontinenten treffen sich im Sommer 2026 in Nordamerika — darunter unsere Nati, unsere Nachbarn aus Österreich und eine Handvoll Teams, die zum ersten Mal in ihrer Geschichte bei einer WM dabei sind. Noch nie waren so viele Fussballnationen gleichzeitig auf der grössten Bühne des Sports versammelt, und noch nie war die Bandbreite zwischen den Teilnehmern so gross wie bei diesem Turnier.

In meiner Arbeit als Wettanalyst analysiere ich nicht nur Quoten und Statistiken, sondern auch die Geschichten hinter den Mannschaften. Und diese WM schreibt Geschichten, die es so nie gegeben hat: Ein 150 000-Einwohner-Inselstaat aus der Karibik trifft auf den viermaligen Weltmeister. Ein Land, das vier Jahrzehnte keinen WM-Fussball erlebt hat, kehrt zurück. Und mittendrin steht die Frage, ob Argentinien seinen Titel verteidigen kann oder ob eine neue Generation die Macht übernimmt.

Dieser Überblick über alle 48 WM 2026 Teams ordnet das Feld aus Liechtensteiner Perspektive. Die Nati und Österreich stehen an erster Stelle — das ist für uns selbstverständlich —, gefolgt von den europäischen und südamerikanischen Favoriten, den drei Gastgebern und den Geheimtipps. Am Ende steht mein persönliches Stärkeranking der Top 10 — eine Einschätzung, die sich bis zum Turnierstart noch verschieben kann, aber auf den Daten basiert, die mir heute vorliegen.

Teilnehmerfeld nach Konföderation

Das WM-Feld 2026 setzt sich aus Vertretern aller sechs FIFA-Konföderationen zusammen. Europa stellt mit 16 Mannschaften den grössten Block: darunter die Schweiz, Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, England, die Niederlande, Portugal, Belgien, Kroatien, Schweden, Tschechien, Bosnien und Herzegowina, die Türkei, Schottland und Norwegen. Südamerika entsendet sechs Teams — Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kolumbien, Ecuador und Paraguay. Afrika ist mit fünf Nationen vertreten: Marokko, Côte d’Ivoire, Ägypten, Algerien und Ghana. Asien stellt ebenfalls sechs Vertreter: Japan, Südkorea, Saudi-Arabien, Iran, Katar und Usbekistan. CONCACAF bringt als Gastgeber-Konföderation sechs Teams: USA, Mexiko, Kanada, Haiti, Küracao und Panama. Ozeanien ist durch Neuseeland vertreten, und Jordanien komplettiert das asiatische Kontingent. Diese Verteilung zeigt: Der Fussball ist globaler geworden, und die WM 2026 spiegelt das wider wie kein Turnier zuvor.

Schweiz — unsere Nati in Gruppe B

Über kein anderes Team bei dieser WM werde ich mehr Zeilen schreiben als über die Schweizer Nati — und das aus gutem Grund. Für uns in Liechtenstein ist die Nati die Mannschaft, die wir als unsere empfinden, deren Spiele wir gemeinsam schauen und deren Erfolge wir feiern, als wären es die eigenen.

Die Nati fährt mit einer beeindruckenden Turnierhistorie nach Nordamerika. Seit der WM 2014 hat die Schweiz bei jedem grossen Turnier die Gruppenphase überstanden. Das Viertelfinale der EM 2020 — mit dem legendären Penaltysieg gegen Frankreich — und das Viertelfinale der EM 2024 haben das Selbstvertrauen der Mannschaft auf ein neues Level gehoben. Diese Generation der Schweizer Nati ist die erfolgreichste seit Jahrzehnten, und die WM 2026 könnte ihr Meisterstück werden.

Im Zentrum des Spiels steht Granit Xhaka. Der Mittelfeldspieler, der mittlerweile bei Sunderland in der Premier League spielt, ist das taktische Gehirn der Nati und ihr Anführer auf dem Platz. Mit 33 Jahren wird die WM 2026 vermutlich sein letztes grosses Turnier — ein Umstand, der zusätzliche Motivation liefert. In der Defensive gibt Manuel Akanji, der bei Inter Mailand zum Stammspieler gereift ist, die Stabilität, die die Nati bei Turnieren auszeichnet. Vorne sorgt Dan Ndoye, der bei Nottingham Forest seine Torgefahr unter Beweis stellt, für die offensive Durchschlagskraft, die der Mannschaft bei früheren Turnieren manchmal fehlte.

Taktische Aufstellung der Schweizer Nati für die WM 2026 mit Schlüsselspielern

Die Gruppenauslosung war der Nati wohlgesinnt. Gruppe B mit Kanada, Bosnien und Herzegowina und Katar ist anspruchsvoll, aber machbar. Kanada hat den Heimvorteil und mit Alphonso Davies einen Weltklassespieler, aber die Mannschaft hat bei der WM 2022 in drei Spielen keinen Sieg geholt. Bosnien hat in den Play-offs gegen Italien gewonnen und ist ein ernstzunehmender Gegner, aber nicht in der Klasse der etablierten WM-Nationen. Katar hat als Gastgeber 2022 alle drei Gruppenspiele verloren und ist der klarste Aussenseiter der Gruppe.

Meine Einschätzung: Die Nati wird Gruppe B als Zweite hinter Kanada abschliessen und in die Runde der 32 einziehen. In der K.o.-Runde hängt alles von der Auslosung ab — aber dieses Team hat bewiesen, dass es bei Turnieren über sich hinauswachsen kann. Ein Achtelfinale ist das Minimalziel, ein Viertelfinale absolut realistisch.

Österreich — Rangnicks Team in der Todesgruppe

Ralf Rangnick hat aus der österreichischen Nationalmannschaft etwas gemacht, das sie seit dem legendären Wunderteam der 1930er Jahre nicht mehr war: eine Mannschaft, die Gegner fürchten. Das aggressive Gegenpressing unter Rangnick hat Österreich zur Mannschaft mit dem besten PPDA-Wert — Passes Allowed Per Defensive Action — aller europäischen Nationalteams in der WM-Qualifikation gemacht. Kein Team in Europa presst höher, kein Team in Europa gewinnt den Ball schneller zurück. Diese Spielweise ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer systematischen taktischen Ausrichtung, die Rangnick über Jahrzehnte in der Vereinsarbeit perfektioniert hat und nun auf Nationalmannschaftsebene implementiert.

Die Herausforderung liegt in der Gruppenauslosung. Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien ist die härteste Aufgabe, die unsere Nachbarn hätten treffen können. Argentinien als amtierender Weltmeister ist der klare Favorit, und ein Sieg gegen die Albiceleste wäre eine Sensation. Aber Rangnick hat bei der EM 2024 gezeigt, dass Österreich auch gegen Topnationen mithalten kann — das 3:1 gegen die Türkei und das 3:2 gegen die Niederlande in der Gruppenphase waren Belege dafür, dass diese Mannschaft Tore schiesst und Spiele gewinnt, auch gegen vermeintlich stärkere Gegner.

Der Kader vereint Bundesliga-Erfahrung mit internationalem Format. Marcel Sabitzer, Konrad Laimer und Christoph Baumgartner bilden ein Mittelfeldzentrum, das taktisch flexibel und physisch überlegen agiert. In der Offensive sorgt Marko Arnautovic — falls er fit und motiviert zur WM reist — für die Erfahrung grosser Turniere. Die Defensive um David Alaba, der nach seiner langen Verletzungspause bei Real Madrid zurückgekehrt ist, gibt der Mannschaft die Stabilität, die bei Rangnicks Pressing-Ansatz unverzichtbar ist. Dazu kommt mit Patrick Pentz ein Torhüter, der bei der EM 2024 überzeugt hat und dessen Ruhe am Ball die Spielauslösung gegen hoch pressende Gegner erleichtert.

Für die WM-Prognose sehe ich Österreich als realistischen Kandidaten für den zweiten Gruppenplatz. Das Spiel gegen Argentinien wird voraussichtlich verloren gehen, aber in den Duellen gegen Algerien und WM-Debütant Jordanien hat Österreich die Qualität, um sechs Punkte zu holen. Sollte die Mannschaft als Gruppenzweiter oder bester Dritter in die K.o.-Runde einziehen, ist im Einzelspiel alles möglich — Rangnicks Pressing ist ein Werkzeug, das auch gegen Favoriten funktioniert. Die detaillierte Analyse zu Österreich bei der WM 2026 mit Kader, Taktik und Quoten gibt es in einem eigenen Artikel.

Europäische Favoriten — Deutschland, Frankreich, England, Spanien

Europa stellt seit Jahrzehnten die Mehrzahl der WM-Favoriten, und 2026 ist das nicht anders. Vier Teams stechen heraus — nicht nur wegen ihrer Kaderstärke, sondern wegen der Narrative, die sie ins Turnier mitbringen. Jede dieser Mannschaften hat etwas zu beweisen, und jede hat die Qualität, den Titel zu holen.

Deutschland — der grosse Nachbar nach dem Heimturnier

Die EM 2024 im eigenen Land war für Deutschland ein emotionaler Wendepunkt. Das Turnier hat die Begeisterung für die Nationalmannschaft wiederbelebt, auch wenn das Aus im Viertelfinale gegen Spanien schmerzlich war. Unter dem Bundestrainer, der nach Julian Nagelsmann die Mannschaft weiterentwickelt hat, geht Deutschland mit dem Anspruch in die WM, um den Titel mitzuspielen. Gruppe E mit Küracao, Côte d’Ivoire und Ecuador sollte keine unüberwindbare Hürde darstellen — das WM-Debüt des karibischen Aussenseiters Küracao wird ein historisches, aber sportlich einseitiges Spiel. Für die Leserschaft in Liechtenstein ist Deutschland als stärkster deutschsprachiger Vertreter nach der Nati und Österreich von besonderem Interesse. Die Bundesliga ist in unserer Region Pflichtstoff, und Spieler wie Florian Wirtz und Jamal Musiala gehören zur täglichen Fussballdiät der Fans in Vaduz und Schaan.

Frankreich — Mbappé und die Titelambition

Frankreich ist seit 2018 die dominante Kraft im Weltfussball. Weltmeister 2018, Finalist 2022, und ein Kader, der in der Tiefe seinesgleichen sucht. Kylian Mbappé, der bei Real Madrid zur absoluten Weltklasse gereift ist, wird das Turnier als Gesicht der französischen Ambitionen prägen. In Gruppe I trifft Les Bleus auf Senegal, Norwegen und den Irak — eine machbare, wenn auch nicht triviale Konstellation. Norwegen bringt mit Erling Haaland einen Stürmer mit, der jedes Spiel im Alleingang entscheiden kann, und Senegal hat bei der WM 2022 bewiesen, dass afrikanische Teams auf diesem Niveau konkurrenzfähig sind. Die französische Mannschaft wird als einer der Top-3-Favoriten in das Turnier gehen, und die Quoten auf den Titel dürften im Bereich von 5.50 bis 7.00 liegen.

England — der ewige Anwärter

Die Three Lions tragen seit Jahren das Etikett des Teams, das die Qualität hat, aber nie den letzten Schritt macht. Halbfinale 2018, Finale der EM 2021, Viertelfinale der EM 2024 — England kommt immer nah heran und scheitert dann. Die WM 2026 bietet eine weitere Chance, und der Kader ist so tief besetzt wie seit einer Generation nicht. Jude Bellingham bei Real Madrid, Phil Foden, Bukayo Saka und eine Defensive um Declan Rice bilden ein Ensemble, das auf jeder Position doppelt besetzt ist. Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama birgt mit dem Duell gegen Kroatien ein echtes Spitzenspiel bereits in der Vorrunde — eine Neuauflage des WM-Halbfinals 2018, das England damals verlor. Kroatiens goldene Generation um Luka Modric dürfte ihr letztes grosses Turnier bestreiten, was dem Spiel zusätzliche Dramatik verleiht.

Spanien — die Europameister in der Offensive

Der EM-Triumph 2024 in Deutschland hat bestätigt, was sich seit Monaten abgezeichnet hatte: Spanien hat eine neue Generation, die an die Dominanz der Ära 2008 bis 2012 anknüpft. Lamine Yamal, bei der EM 2024 erst 16 Jahre alt und bereits entscheidend, wird bei der WM 2026 als 18-Jähriger antreten — und dürfte einer der Stars des Turniers werden. Pedri und Gavi im Mittelfeld, Rodri als Anker und Nico Williams auf dem Flügel bilden eine Mannschaft, die spielerisch zu den besten der Welt gehört. In Gruppe H trifft Spanien auf Kap Verde, Saudi-Arabien und Uruguay — und gerade das Duell gegen Uruguay wird ein Gradmesser für die spanischen Titelambitionen. Uruguay hat mit Spielern wie Federico Valverde und Darwin Núñez die Qualität, Spanien zu fordern, und ist in Gruppenspielen gegen europäische Favoriten traditionell gefährlich.

Neben diesen vier stechen aus europäischer Sicht auch die Niederlande, Portugal und Belgien als potenzielle Überraschungskandidaten hervor. Oranje in Gruppe F mit Japan und Schweden steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe, Portugal muss die Frage beantworten, ob die Ära nach Cristiano Ronaldo bereits begonnen hat, und Belgien hofft auf eine letzte Titelchance für De Bruyne, Lukaku und Courtois.

Südamerika — Argentinien, Brasilien und die Herausforderer

Neun der 22 bisherigen WM-Titel gingen nach Südamerika — fünf an Brasilien, drei an Argentinien und einer an Uruguay. Dieses Erbe wiegt schwer, und die südamerikanischen Vertreter bei der WM 2026 tragen es mit einer Mischung aus Stolz und dem Druck, den historischen Anspruch zu verteidigen.

Argentinien — Titelverteidiger mit offenem Ausgang

Die grosse Frage über dem argentinischen Turnier lautet: Spielt Lionel Messi? Der achtmalige Ballon-d’Or-Gewinner wird im Juni 2026 knapp 39 Jahre alt sein. Ob er fit genug für ein WM-Turnier mit bis zu sieben Spielen ist, hängt von seiner Saison bei Inter Miami ab. Auch ohne Messi verfügt Argentinien über einen Kader mit enormer Tiefe — Julián Álvarez, Enzo Fernández, Alexis Mac Allister und Lautaro Martínez sind Weltklassespieler, die Titel gewöhnt sind. Der Copa-América-Sieg 2024 hat bestätigt, dass diese Mannschaft auch ohne ihre grösste Ikone funktioniert. In Gruppe J ist Argentinien klarer Favorit, und die aktuellen Titelquoten sehen die Albiceleste unter den Top 3.

Brasilien — Rekordweltmeister auf Wiedergutmachungstour

Die WM 2022 endete für Brasilien mit einer Enttäuschung: Aus im Viertelfinale gegen Kroatien im Penaltyschiessen, nachdem die Mannschaft das Spiel eigentlich dominiert hatte. Die südamerikanische Qualifikation verlief holprig — zeitweise stand Brasilien ausserhalb der direkten Qualifikationsplätze, was in der brasilianischen Fussballöffentlichkeit einer Katastrophe gleichkam. Vinicius Jr. von Real Madrid ist der Spieler, auf dem die Hoffnungen einer ganzen Nation ruhen. In Gruppe C trifft die Seleção auf Marokko, Haiti und Schottland — eine Gruppe, in der Brasilien nicht scheitern darf und die mit Marokko dennoch einen ernstzunehmenden Gegner bietet. Marokko hat bei der WM 2022 bewiesen, dass sein Halbfinaleinzug kein Zufall war.

Uruguay, Kolumbien, Ecuador, Paraguay

Uruguay ist der dritte südamerikanische Schwergewichtsvertreter und ein Team, das bei Weltmeisterschaften regelmässig über seine nominelle Stärke hinauswächst. Zwei WM-Titel, vier Copa-América-Siege und eine Mentalität, die an der Rambla von Montevideo geschmiedet wird — die Celeste ist bei jedem Turnier ein unbequemer Gegner. Mit Federico Valverde bei Real Madrid und Darwin Núñez in der Offensive verfügt Uruguay über individuelle Klasse, die in Einzelspielen jedes Team der Welt schlagen kann. In Gruppe H wird das Duell gegen Spanien das Highlight — und ein Spiel, das über den Gruppenausgang entscheiden wird. Für Wettinteressierte ist Uruguay der klassische Value-Kandidat: Die Quoten auf den Gruppensieg werden höher sein als die tatsächliche Wahrscheinlichkeit es rechtfertigt, weil die öffentliche Wahrnehmung Spanien als klaren Favoriten sieht.

Kolumbien hat sich nach einer starken Qualifikation direkt qualifiziert und trifft in Gruppe K auf Portugal, die DR Kongo und Usbekistan. Die Mannschaft um Luis Díaz und James Rodríguez verbindet technische Brillanz mit einer Leidenschaft, die bei südamerikanischen Teams Markenzeichen ist. Die Cafeteros haben in der Qualifikation gezeigt, dass sie auch auswärts gewinnen können — eine Fähigkeit, die bei einem Turnier in Nordamerika entscheidend sein wird, da kein südamerikanisches Team Heimvorteil geniesst.

Ecuador bringt in Gruppe E Tempofussball und eine interessante taktische Dimension mit. Die Heimspiele der ecuadorianischen Qualifikation finden auf 2800 Metern über dem Meeresspiegel in Quito statt, was Gegnern physische Probleme bereitet. Bei der WM in Nordamerika entfällt dieser Heimvorteil, aber die Mannschaft hat in der Qualifikation auch in der Fremde respektable Ergebnisse erzielt. Gegen Deutschland wird es schwer, aber im Duell um Platz zwei mit Côte d’Ivoire hat Ecuador realistische Chancen.

Paraguay komplettiert das südamerikanische Aufgebot in Gruppe D mit den USA und wird als Aussenseiter antreten. Die Guaraníes haben eine kampfstarke Mannschaft, die sich in der südamerikanischen Qualifikation gegen starke Konkurrenz durchgesetzt hat und jeden Gegner vor Probleme stellen kann.

Die drei Gastgeber — USA, Mexiko, Kanada

Gastgeber bei einer WM zu sein, ist ein zweischneidiges Schwert. Der Heimvorteil — vertraute Stadien, kurze Reisewege, das Publikum im Rücken — ist statistisch belegt: Seit 1930 hat der Gastgeber in der Gruppenphase nur zweimal nicht die K.o.-Runde erreicht (Südafrika 2010 und Katar 2022). Aber der Druck, vor eigenem Publikum zu scheitern, kann lähmend wirken, und bei drei Gastgebern gleichzeitig wird dieser Druck auf drei Schultern verteilt.

Die USA gehen als ambitioniertester Gastgeber ins Turnier. Die Generation um Christian Pulisic, Giovanni Reyna und Weston McKennie hat in europäischen Topligen Erfahrung gesammelt und will bei der Heim-WM den Durchbruch auf der internationalen Bühne schaffen. In Gruppe D mit Paraguay, Australien und der Türkei hat das USMNT eine lösbare Aufgabe — ein Scheitern in der Gruppenphase wäre ein Desaster für den amerikanischen Fussball, der durch die WM einen nachhaltigen Popularitätsschub erwartet. Der Heimvorteil wird in den elf US-Stadien spürbar sein: Die Ticketverkäufe zeigen, dass amerikanische Fans die Stadien füllen werden, auch bei Spielen ohne US-Beteiligung. Für europäische Tipper ist die USA eine interessante Wette, weil die Quoten den Heimvorteil möglicherweise nicht vollständig einpreisen — oder ihn überbewerten. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in den Details.

Karte der 16 WM 2026 Stadien in den USA, Mexiko und Kanada

Mexiko betritt die WM-Bühne mit dem Gewicht von drei Gastgeberschaften — 1970, 1986 und nun 2026. Die mexikanische Nationalmannschaft hat bei den letzten sieben Weltmeisterschaften stets die Gruppenphase überstanden, ist aber ebenso regelmässig im Achtelfinale gescheitert — ein Phänomen, das in Mexiko als „Quinto Partido“ (das fünfte Spiel) bekannt ist. Gruppe A mit Südafrika, Südkorea und Tschechien bietet Mexiko die Chance, diese Hürde erstmals zu überwinden, weil die Gruppe auf dem Papier die schwächste der drei Gastgebergruppen ist. Die drei mexikanischen Stadien — Azteca, Monterrey, Guadalajara — werden eine Atmosphäre bieten, die in Nordamerika ihresgleichen sucht: mexikanische Fussballfans gehören zu den leidenschaftlichsten und lautesten der Welt.

Kanada ist der jüngste der drei Gastgeber auf der WM-Bühne. Die erste WM-Teilnahme seit 1986, eine Generation von Spielern, die in europäischen Topligen spielen, und ein Fussball-Boom, der durch die MLS und die Qualifikation für die WM 2022 ausgelöst wurde — all das kommt bei der Heim-WM zusammen. Alphonso Davies von Bayern München ist der Star der Mannschaft, aber Kanada verfügt auch in der Breite über Spieler, die bei europäischen Klubs unter Vertrag stehen. In Gruppe B trifft Kanada auf die Schweizer Nati — ein Spiel, das für Fans in Liechtenstein das Highlight der Gruppenphase sein wird. Meine Einschätzung: Kanada wird Gruppe B als Erster abschliessen, aber das Duell mit der Nati wird enger, als die meisten erwarten.

Geheimtipps und Debütanten

Die WM 2022 lehrte eine Lektion, die jeder Analyst beherzigen sollte: Unterschätze nie ein Team, das nichts zu verlieren hat. Marokko erreichte das Halbfinale, Japan schlug Deutschland und Spanien in der Gruppenphase, Saudi-Arabien besiegte Argentinien im Eröffnungsspiel. Die WM 2026 bietet mit vier Debütanten und mehreren Rückkehrern genug Stoff für die nächste Überraschungsgeschichte.

Japan ist mein stärkster Geheimtipp. Die Mannschaft hat sich in den letzten Jahren vom asiatischen Spitzenteam zum globalen Konkurrenten entwickelt. Die Spieler verteilen sich auf europäische Topligen — Bundesliga, La Liga, Premier League — und bringen eine taktische Flexibilität mit, die den Coach Hajime Moriyasu zum gefährlichsten Trainer des Turniers machen könnte. In Gruppe F mit den Niederlanden, Schweden und Tunesien hat Japan realistische Chancen auf den Gruppensieg. Die Quote auf einen japanischen Viertelfinaleinzug dürfte deutlich über 5.00 liegen — das ist aus meiner Sicht Value.

Marokko ist nach dem Halbfinale 2022 kein Geheimtipp mehr im klassischen Sinn, aber die Mannschaft wird in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor unterschätzt. In Gruppe C mit Brasilien trifft Marokko auf einen Gegner, der verwundbar ist — die holprige Qualifikation hat gezeigt, dass die Seleção nicht mehr die Übermacht vergangener Jahrzehnte darstellt. Ein Sieg über Brasilien in der Gruppenphase wäre keine Sensation, sondern eine realistische Möglichkeit.

Neben Japan und Marokko verdienen weitere Teams aus Afrika und Asien einen genaueren Blick. Côte d’Ivoire hat den Afrika-Cup 2024 im eigenen Land gewonnen — unter dramatischen Umständen, nachdem die Mannschaft in der Gruppenphase beinahe ausgeschieden wäre. Dieser Turniersieg hat das Selbstvertrauen der Elefanten auf ein neues Niveau gehoben, und in Gruppe E mit Deutschland, Ecuador und Küracao ist ein Platz in der K.o.-Runde das realistische Ziel. Ägypten bringt in Gruppe G mit Mohamed Salah einen der besten Spieler der Welt mit, dessen Torgefahr in Einzelspielen jeden Gegner zerstören kann.

Südkorea und der Iran komplettieren die asiatische Fraktion. Südkorea hat die Erfahrung von sechs aufeinanderfolgenden WM-Teilnahmen und die Erinnerung an das Halbfinale 2002, das die gesamte asiatische Fussballwelt elektrisierte. In Gruppe A mit Mexiko, Südafrika und Tschechien hat Südkorea gute Chancen auf den Achtelfinaleinzug. Der Iran ist seit Jahren die stärkste Defensive Asiens und wird auch in Gruppe G gegen Belgien und Ägypten schwer zu schlagen sein.

Die vier WM-Debütanten — Küracao, Kap Verde, Jordanien und Usbekistan — bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Usbekistan hat die stärkste Liga und die tiefste Kaderbasis, Jordanien hat mit dem Asien-Cup-Final 2024 die meiste Turniererfahrung auf höchstem Niveau gesammelt. Küracao und Kap Verde werden sportlich gegen die Top-Nationen ihrer Gruppen wenig ausrichten können, aber ihre Geschichten — ein 150 000-Einwohner-Staat gegen Deutschland, ein Inselarchipel gegen Spanien — sind der Stoff, aus dem WM-Romantik entsteht.

Der Irak verdient besondere Erwähnung. Die Rückkehr nach 40 Jahren WM-Abstinenz ist für eine Nation, die Kriege, Sanktionen und politische Instabilität durchlebt hat, ein Symbol der Hoffnung. In Gruppe I mit Frankreich, Senegal und Norwegen wird es sportlich extrem schwer, aber der irakische Fussball hat eine Leidenschaft, die über das Sportliche hinausgeht. Und Norwegen mit Haaland? Auf dem Papier kein Geheimtipp, aber ein Team, das bei seinem ersten grossen Turnier seit der WM 1998 vor der Herausforderung steht, die Qualität seines Ausnahmestürmers in eine Mannschaftsleistung umzuwandeln.

Anstoss26-Stärkeranking — Top 10 der WM

Rankings sind subjektiv — meines auch. Aber neun Jahre Quotenanalyse haben mir beigebracht, dass eine fundierte subjektive Einschätzung wertvoller ist als ein blindes Vertrauen in FIFA-Rankings oder Wettquoten. Hier ist mein persönliches Stärkeranking der zehn stärksten WM-Teams 2026, basierend auf Kaderqualität, Turnierhistorie, taktischer Konstanz und aktueller Form.

Auf Rang eins steht Frankreich. Les Bleus haben den tiefsten Kader des Turniers, den besten Einzelspieler in Kylian Mbappé und die Erfahrung zweier aufeinanderfolgender WM-Finals. Die Mischung aus Jugend und Erfahrung ist bei keinem anderen Team so ausgewogen.

Argentinien folgt auf Rang zwei. Der Titelverteidiger hat die Mentalität eines Champions, die taktische Flexibilität unter Lionel Scaloni und einen Kader, der auch ohne Messi funktioniert. Die Frage ist nicht, ob Argentinien in die K.o.-Runde kommt, sondern wie weit die Mannschaft ohne ihren grössten Spieler kommen kann.

Rang drei gehört England. Die Three Lions haben die individuell stärkste Offensive Europas und eine Defensive, die unter dem neuen Trainer stabiler geworden ist. Was fehlt, ist die Mentalität in entscheidenden Momenten — aber irgendwann muss der Knoten platzen.

Spanien auf Rang vier ist das Team, das am schönsten spielt. Die EM-2024-Sieger haben mit Yamal, Pedri und Williams eine Zukunft, die bereits Gegenwart ist. Die einzige Schwäche: In der absoluten Spitze fehlt ein Stürmer, der in K.o.-Spielen den Unterschied macht.

Deutschland belegt Rang fünf. Das DFB-Team hat nach der Heim-EM neuen Schwung und mit Wirtz und Musiala zwei der aufregendsten Talente des Weltfussballs. Die Frage ist, ob die Abwehr stabil genug ist, um gegen die Topnationen zu bestehen.

Brasilien auf Rang sechs ist ein Risikoeinstufung. Die Seleção hat die individuellen Stars, aber die Mannschaftsleistung in der Qualifikation war inkonsistent. Wenn Vinicius Jr. und Rodrygo ihre Klubform abrufen, ist Brasilien ein Titelkandidat — wenn nicht, droht ein frühes Aus.

Rang sieben: die Niederlande. Oranje hat in Gruppe F mit Japan und Schweden eine schwierige Aufgabe und einen Kader, der in der Breite nicht ganz mit den Top-6-Teams mithalten kann, aber im Einzelspiel jeden schlagen kann.

Portugal auf Rang acht befindet sich im Generationenwechsel. Die Ära nach Ronaldo hat begonnen, und Spieler wie Rafael Leão und Bernardo Silva tragen die neue Verantwortung. In Gruppe K mit Kolumbien gibt es einen ernstzunehmenden Gegner.

Belgien belegt Rang neun — die letzte Chance für eine goldene Generation, die bei jedem Turnier der Favorit war und nie gewonnen hat. Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Thibaut Courtois sind Weltklasse, aber das Alter und die fehlende Turniererfahrung auf Titelniveau sind reale Einschränkungen.

Rang zehn: Kroatien. Die goldene Generation um Luka Modric wird vermutlich ihr letztes grosses Turnier bestreiten, und diese Mannschaft hat bei jeder WM seit 2018 überperformt. In Gruppe L gegen England erwartet Kroatien eine Revanche für das Halbfinal-Aus 2018 — und dieses Team hat die Erfahrung und das Selbstvertrauen, um auch 2026 tief ins Turnier vorzudringen.

Die Nati fehlt in meinen Top 10 — nicht weil ich sie unterschätze, sondern weil ich ehrlich bin. Die Schweiz gehört in die Kategorie 11 bis 15, zusammen mit Uruguay, Japan, den USA und Marokko. Das ist ein Kompliment: Unter 48 Teams zu den besten 15 zu gehören, ist eine beachtliche Leistung für eine Nation mit 8,8 Millionen Einwohnern.

48 Teams, eine Bühne

Die WM 2026 bringt mehr Fussballnationen zusammen als je zuvor — und genau das macht den Reiz dieses Turniers aus. Von der Schweizer Nati, die in Gruppe B ihren gewohnten Turnierrhythmus finden will, über Österreichs Pressing-Maschine in der Todesgruppe J bis zu den vier WM-Debütanten, die zum ersten Mal die Hymne in einem WM-Stadion hören werden — jedes der 48 WM 2026 Teams trägt eine eigene Geschichte nach Nordamerika.

Mein Stärkeranking ist eine Momentaufnahme. Verletzungen, Formschwankungen und taktische Anpassungen werden die Kräfteverhältnisse bis zum Turnierbeginn am 11. Juni noch verschieben. Was sich nicht ändern wird: Die Qualität der Top-Teams ist so ausgeglichen wie selten zuvor bei einer WM. Jedes der zehn Teams in meinem Ranking hat das Potenzial, am 19. Juli im MetLife Stadium den Pokal in die Höhe zu stemmen. Und vielleicht wird es am Ende ein elftes sein, das niemand auf der Rechnung hatte.

Für Fans in Liechtenstein bleibt der Blick naturgemäss auf die Nati und Österreich gerichtet. Beide Teams haben die Qualität, die Gruppenphase zu überstehen, und beide spielen in Gruppen, die machbar sind — wenn auch mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Die kommenden Wochen bis zum Turnierstart werden zeigen, wie sich die Kader formieren, welche Spieler fit sind und welche taktischen Systeme die Trainer wählen. Bis dahin ist dieses Ranking mein Kompass — und ich werde ihn bei Bedarf aktualisieren, wenn neue Daten vorliegen.